Übergreifendes Netzwerktreffen „Gemeinsam Handeln im Kinderschutz“ – Inklusion im Kinderschutz
Am 17. Juni 2026 fand das übergreifende Netzwerktreffen „Gemeinsam handeln im Kinderschutz“ zum Schwerpunktthema „Inklusion im Kinderschutz“ statt. Zahlreiche Fachkräfte aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung.
Nach der Begrüßung stellten sich die veranstaltenden Netzwerke sowie die bestehenden Kooperationsstrukturen vor. Anschließend wurden die Teilnehmenden im Rahmen eines Warming-ups eingeladen, ihre persönlichen Fragestellungen und Erwartungen zum Thema Inklusion im Kinderschutz einzubringen.
Den fachlichen Schwerpunkt des Treffens bildete der Vortrag von Prof. Dr. Heike Wiemers, Dekanin des Fachbereichs Sozialwesen an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und Professorin für Theologie, Konzepte und Methoden Sozialer Arbeit mit dem Schwerpunkt inklusiver Kinderschutz. Unter dem Titel „Kinderschutz inklusiv denken und gestalten – Herausforderungen und Perspektiven“ beleuchtete sie aktuelle Herausforderungen und notwendige Entwicklungen für einen inklusiven Kinderschutz.
Dabei machte Prof. Dr. Wiemers deutlich, dass Familien häufig mit einer Vielzahl unterschiedlicher Unterstützungs- und Hilfesysteme konfrontiert sind, die jedoch oftmals nur unzureichend miteinander vernetzt sind. Die notwendige Koordination zwischen diesen Systemen liegt dadurch häufig bei den Eltern selbst. Ein inklusiver Kinderschutz benötigt deshalb vernetzte Strukturen und starke Brücken zwischen den beteiligten Akteurinnen und Akteuren, damit Familien die Unterstützung erhalten, die ihrem individuellen Bedarf entspricht.
Im Mittelpunkt des Vortrags standen zudem die Fragen, wie Vielfalt wahrgenommen, besondere Risiken erkannt und Schutzlücken geschlossen werden können. Prof. Dr. Wiemers warb für ein weites Inklusionsverständnis und beschrieb inklusiven Kinderschutz als eine Gesamtstrategie, die Schutz und Teilhabe gemeinsam denkt. Dabei gelte es, soziale Ausgrenzung zu minimieren und gleichzeitig die Partizipationschancen von Kindern und Jugendlichen zu stärken – insbesondere von jungen Menschen, die aufgrund von Behinderungen, chronischen Erkrankungen oder besonderem Unterstützungsbedarf in Verbindung mit gesellschaftlichen Barrieren und Benachteiligungen als besonders vulnerabel gelten. Schutzmaßnahmen und Teilhabe seien dabei keine Gegensätze, sondern müssten konsequent zusammen gedacht werden.
Im Anschluss an den Vortrag erhielten die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich in Kleingruppen mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Praxisfeldern auszutauschen. Vertreten waren unter anderem die inklusive Kindertagespflege, das Autismus-Therapiezentrum, LVR Christophorus-Schule, die Erziehungshilfen Derletal, BOOFE, das Montessori-Kinderhaus, Abenteuer Lernen e. V., die heilpädagogische Erziehungshilfe, die Eingliederungshilfe sowie das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) der Uniklinik Bonn.
Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer konnte drei der angebotenen Gesprächsrunden besuchen und so verschiedene Perspektiven und Unterstützungsangebote kennenlernen. Die vielfältigen Einblicke machten deutlich, wie wichtig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Systeme für einen gelingenden inklusiven Kinderschutz ist.
Zum Abschluss kamen alle Teilnehmenden noch einmal im Plenum zusammen. Dort wurden die zu Beginn formulierten Fragestellungen aufgegriffen, Erkenntnisse aus den Kleingruppen geteilt und Erfahrungen ausgetauscht. Nach einer gemeinsamen Evaluation endete die Veranstaltung mit einer Verabschiedung.
Das Netzwerktreffen hat eindrucksvoll gezeigt, dass inklusiver Kinderschutz nur durch eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten gelingen kann. Die Veranstaltung bot wertvolle Impulse für die Praxis und stärkte die Vernetzung der Fachkräfte, die sich gemeinsam für den Schutz und die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen einsetzen.
Autorin: Hülya Dogan; Foto: Expert:innen der Kleingruppen