Ein Kursus für Mütter und ihre kleinen Kinder. Angeboten wird er in der Bonner DITIB-Moschee. Foto: Barbara Frommann

BONN. Ein neues Projekt des Vereins FIBEr (Fraueninitiative für Bildung und Erziehung) geht diesen Freitag in die zweite Runde. „Unser erster Mutter-Kind-Kursus für türkische Frauen in der DITIB-Moschee war ein voller Erfolg“, freut sich Organisatorin Hülya Dogan. Bei zehn Wochentreffen kamen acht Frauen mit türkischen Wurzeln und Nachwuchs im Kleinkindalter zusammen, um in Gespräch und Spiel erzieherische und weitere Fragen zu besprechen.

„Wir gestalten jedes Treffen mit Liedern, Kindergeschichten, Bewegungsspielen und interessanten Themen“, berichtet Dogan über den von Saime Deniz Kizilay und Nilüfer Görmez-Heising geleiteten Kursus, der von der Jugendstiftung der Sparkasse KölnBonn gefördert wird.

In den Räumen der DITIB, der Türkisch Islamischen Gemeinde am Hochstadenring, hätten die Frauen, die zum größten Teil aus dem Bonner Norden kamen, Kontakte geknüpft und sich und ihre Kinder auf die Anforderungen des hiesigen Erziehungs- und Schulsystems vorbereitet.

„Wir erreichen damit hauptsächlich Frauen, die der deutschen Sprache noch nicht mächtig sind, die aber frühzeitig vor dem Kindergarten- und Schulbeginn sensibilisiert werden wollen“, erläutert Dogan.

In Gesprächen mit Lehrern und Erziehern zeige sich in solchen Fällen oft, dass der Kontakt zwischen Pädagogen und Eltern nur mangelhaft zustande kommt und daraus Nachteile für die Kinder entstehen. „Frauen, die Türkisch als ihre Sprache mit der höchsten Kompetenz ansehen, sollen darüber aufgeklärt werden, dass es sinnvoller ist, gerade auch diese Sprache an ihre Kinder weiterzugeben, anstatt die deutsche Sprache nur fehlerhaft“, erläutert Dogan ein Arbeitsprinzip von FIBEr.

Diesen Frauen gebe man im Kursus lernfördernde Materialien und Spielsachen an die Hand. „Ansonsten gibt es in Bonn keine Kursusangebote, die Frauen mit der genannten Konstellation auffangen und ihnen helfen“, meint Dogan. Als türkischsprechendes Projektteam vermittle man das deutsche Erziehungssystem eben auch durch eigene Lebenserfahrungen.

„Türkische wie deutsche Erzieherinnen berichten immer wieder, dass Kindern mit Deutsch als Zweitsprache häufig das Wissen über Farben, Tiere oder alltägliche Gegenstände fehlt“, berichtet Dogan. So werden dann auch einfache Mitteilungen über eigene Erlebnisse oft nur ansatzweise in der Muttersprache gemeistert. Eine Kompensation in der deutschen Sprache sei dabei in den wenigsten Fällen möglich.

Die Folge sei Unsicherheit in Situationen, die man nur sprachlich bewältigen könne. Dem will das Team rechtzeitig vorbeugen. „Schon im ersten Kursus haben wir die Mütter zudem aktiviert, ihren Kindern beizubringen, sich auf eine Beschäftigung länger zu konzentrieren“, sagt Dogan.

Dies möge die Mädchen und Jungen nachhaltig anregen, sich dann in Kindergarten und Schule entsprechend den Anforderungen einer Gruppe gegenüber korrekt zu verhalten. Im neuen, zehnwöchigen Kursus sind noch Plätze frei. Pro Einheit sind zwei Euro für die Raummiete zu zahlen.

Artikel vom 10.04.2013

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