Starke Message – Starke Mädchen.

Ein Mädchen-Projekt zur Förderung gewaltfreier Konfliktlösekompetenzen.

Man muss ich sagen können, um ein Du zu erreichen. Martin Buber

Gewalt ist in seinen vielfältigen Erscheinungsformen ein alltägliches Phänomen.

Physisch oder psychisch, indirekt oder direkt ausgeübt richtet sie sich gegen Andere, Gegenstände oder die eigene Person. Dabei zeichnet sie sich durch das Bemühen, eigene Ohnmacht abzuwehren und Grenzverletzungen aus.

WortStärken möchte gewaltfreie Konfliktlösekompetenzen von Mädchen entwickeln und stärken. Das Verstehen der Entwicklungsbedingungen von gewalthaltigen Konflikten ist ein erster Schritt dahin, eigene Entscheidungen reflektieren und Handlungsspielräume nutzen zu können. Dabei möchte WortStärken die Teilnehmerinnen unterstützen und ihnen einen Raum zum angstfreien Ausprobieren von Verhaltensalternativen bieten. Um eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, strebt das Projekt eine enge Vernetzung und Zusammenarbeit mit bereits bestehenden Strukturen im Stadtteil an.

WortStärken richtet sich als multimethodale Präventionsmaßnahme an Mädchen im Alter von 14 bis 16 Jahren. Aufgrund bisheriger Erfahrungen ist die Gruppengröße auf maximal acht Teilnehmerinnen beschränkt.
Das Projekt möchte der Komplexität von Gewaltphänomenen begegnen, indem es mehrere Ebenen individueller Gewaltentstehung zielgruppengerecht umfasst. Auch kulturelle Hintergründe sollen sensible Beachtung finden.

Zunächst werden Entwicklungsbedingungen des Phänomens Gewalt erarbeitet. Zugrundeliegende Motive werden ebenso thematisiert wie damit einhergehende kurz- und langfristige Konsequenzen auf Täter- und Opferseite. Die kritische Betrachtung von Beeinflussungsfaktoren, Verharmlosungs- und Rechtfertigungsstrategien soll ein Problembewusstsein bei den jugendlichen Teilnehmerinnen schaffen. Im Prozess der Gruppenbildung wird sukzessiv persönlichen Themen Raum geboten.

Konfliktsituationen aus dem Alltag sollen analysiert und szenisch dargestellt werden. Im geschützten Rahmen der Gruppe kann mit unterschiedlichen Lösungswegen experimentiert werden. Durch Perspektivwechsel und Rollenspiele werden empathische Fähigkeiten geübt.

Weiterhin sollen verbale kommunikative Fähigkeiten trainiert werden. Als solche sind insbesondere das Aktive Zuhören sowie ein bewusster Umgang mit Ich- und Du-Botschaften zu nennen. Dabei finden auch nonverbale und paraverbale Kommunikationsaspekte Berücksichtigung. Unter Zuhilfenahme körperorientierter Verfahren sollen die Teilnehmerinnen in verschiedenen Rollen Körpersignale spielerisch verstehen und regulierend einsetzen lernen. Auf Grundlage dessen werden in der Gruppe Deeskalationsstrategien entwickelt.

Im Sinne des Aufbaus eines positiven Selbstkonzepts (Achtung eigener und Eigenheiten Anderer) soll die Wahrnehmung individueller Fähigkeiten und Gefühle gefördert werden. Für eigene Stärken, Schwächen und Grenzen soll verantwortungsbewusst sensibilisiert werden.

Dem Projekt liegt ein multimethodaler Ansatz zugrunde. Thematische Arbeit bildet den Grundstein für die Auseinandersetzung mit einem Themenkomplex.

Das Rollenspiel lädt ein zur kreativen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Verhaltensweisen und fördert durch Rollentausch empathische Fähigkeiten. Weiterhin kommen körperorientierte Verfahren wie Stimmübungen, Übungen zum Distanzverhalten und körpersprachliche Ausdrucksübungen zum Einsatz. Das Arbeiten in der Großgruppe und in Kleingruppen wird durch Einzelarbeit ergänzt.

Die Teilnehmerinnen treffen sich über 10 Wochen einmal wöchentlich nachmittags für zwei Zeitstunden. Jedes Treffen beginnt mit einem Blitzlicht in dem kurz das Befinden sowie Ereignisse seit der letzten Gruppenstunde berichtet werden. Es folgt eine theoretische und praktische Auseinandersetzungen mit dem jeweiligen Thema. Zur Mitte der Gruppentreffen wird eine Pause mit Getränken und Snacks eingerichtet, was den ungezwungenen Austausch erleichtert und als Zeichen persönlicher Wertschätzung der Teilnehmerinnen dient.

An die erneute Hinwendung zu den Kursinhalten schließt sich eine Entspannungsübung (Achtsamkeitsübungen, Atemübungen, Wahrnehmungs-Übungen) an. Neben einer positiven Beeinflussung des Körpergefühls sorgen sie für Ausgeglichenheit und bilden einen angenehmen Abschluss der Gruppeneinheiten. Beendet wird jedes Treffen mit einer Abschlussrunde, in der kurz Rückmeldung zu der Einheit gegeben wird. Dies fördert die aktive und passive Kritikfähigkeit.

Das Projekt wird gefördert von der Stabstelle Integration der Stadt Bonn.

 

Projektleitung
Dipl.-Psych. Sunna Everling ist Psychologische Psychotherapeutin. In ihrer Psychotherapie-Praxis in Bonn-Endenich hilft sie anderen dabei, ungelöste Problemlagen zu verstehen, damit sich neue Perspektiven ergeben. Da sie kulturelle, religiöse und sprachliche Vielfalt als Bereicherung erlebt, engagiert sie sich nicht nur als Vorstandsmitglied von FIBEr e.V. (seit 2013) für interkulturelle Verständigung und transkulturelle Begegnung. Nachdem sie bereits im Studium in der Türkei war und mehrere Jahre in einer türkischen Psychotherapie-Praxis in Köln gearbeitet hat, ist sie mit der türkischen Sprache sowie Kultur sehr vertraut. Weiterhin ist sie als Juniordozentin an der Köln-Bonner Akademie für Psychotherapie tätig. Aktuell geht sie an der Universität Bonn dem Studium der Arabischen Sprache sowie der Orient-/Asienwissenschaften nach.
Näheres zu Sunna Everling und ihre Arbeit unter: www.psychotherapeutin-bonn.de

 

Projektkoordination
Hülya Dogan, Vorsitzende FIBEr e.V.

 

Wortstärken
Wortstärken