Ein Projekt zur Entwicklung der sprachlichen und pädagogischen Kompetenz

Willkommen sind alle Mütter mit ihren Kindern, die andere Mütter kennenlernen möchten und im gemeinsamen Gespräch und Spiel mit den Kindern erzieherische und andere, selbst gewünschte Fragen besprechen wollen.

Wir gestalten jedes Treffen mit Liedern, Kindergeschichten, Bewegungsspielen und interessanten Gesprächsthemen.

Wir möchte Frauen mit türkischen Migrationshintergrund, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und/oder mit dem Erziehungs- und Schulsystem in Deutschland sich nicht auskennen, eine Möglichkeit bieten, diese Defizite zu erkennen und sie frühzeitig vor dem Kindergarten- und Schulbeginn zu sensibilisieren.

In Gesprächen mit Lehrern und Erziehern, hat sich gezeigt, dass der Kontakt zwischen Pädagogen und Eltern nur mangelhaft zu Stande kommt und daraus ein Nachteil für die betreffenden Kinder in der Zukunft entstehen könnte.

Frauen, die der türkischen Sprache mächtig sind und diese als ihre Sprache mit der höchsten Kompetenz ansehen, sollen darüber aufgeklärt werden, dass es sinnvoller ist, nur diese Sprache an ihre Kinder weiterzugeben, anstatt die deutsche Sprache fehlerhaft.

Bisher gab es keine Kursangebote, die Frauen mit der o.g. Konstellation auffangen und helfen konnten. Wir bieten (als türkisch sprechendes Projektteam), die das deutsche Erziehungssystem durch eigene Lebenserfahrungen und durch  Ausbildung  kennengelernt haben und die Hintergründe der Defizite durch unsere Lebensläufe mit Migrationshintergrund nachvollziehen können, ein innovatives Projekt an.

Türkische wie deutsche Erzieherinnen berichten immer wieder, dass Kindern mit Deutsch als Zweitsprache häufig das Wissen über Farben, Tiere oder alltägliche Gegenstände fehlt. Auch einfache Mitteilungen z.B. über eigene Erlebnisse werden oft nur ansatzweise in der Muttersprache gemeistert. Eine Kompensation in der deutschen Sprache ist dabei in den wenigsten Fällen möglich. Über Gründe kann hier nur spekuliert werden, aber es hat den Anschein, als ob Alltags- und Weltwissen von den Eltern an die Kinder nicht in ausreichendem Maße weitergegeben wird. Es könnte sich hier um ein schichtspezifisches Problem handeln (z.B. fehlende Zeit, sich mit den Kindern zu beschäftigen), es kann aber auch daran liegen, dass bestimmte Angebote der deutschsprachigen Umgebung (z.B. Zoo, Kinderbücher, Computerprogramme, Ferienkurse, Ausflüge, lernfördernde Spielsachen) von den Eltern weniger in Anspruch genommen werden oder werden können (sei es aus finanzieller Not oder weil die Eltern selbst aus sprachlichen Gründen mit dem Angebot nicht zurechtkommen), andere Angebote dagegen (z.B. Fernsehen) unreflektiert konsumiert werden.

Nicht zu übersehen sind jedoch die Folgen für die Kinder. Wegen der mangelnden Fähigkeit, die Welt im wörtlichen Sinne begrifflich in Besitz zu nehmen, zeigen sie Unsicherheit in Situationen, deren Bewältigung an Sprache gebunden ist. Oft reagieren sie mit Aggression oder Rückzug, verbunden mit schwindendem Selbstvertrauen, den gestellten Anforderungen selbständig begegnen zu können.

Wir möchten den Müttern lernfördernde Spielsachen vorstellen und sie motivieren, diese im Alltag effektiv einzusetzen, um den Kindern schon früh beizubringen, sich auf eine Beschäftigung länger konzentrieren zu können. Dies soll sie nachhaltig anregen in der Zukunft in z.B. einer KITA entsprechend den Anforderungen einer Gruppe korrekt verhalten zu können.

Ein weiteres Ziel dieses Kurses ist das Vermitteln von Strukturen zum geordneten Ablauf der behördlichen Gänge für die Kinder wie z.B. die rechtzeitige Bewerbung um einen Kindergartenplatz oder welcher Kindergarten für ihr Kind geeignet ist.

Es kommt Müttern und ihren Kindern mit türkischer Herkunft zugute.

Die Kinder sind ein bis drei Jahre alt. Die Teilnehmerzahl beträgt pro Kurs maximal 10.

Der Kurs findet einmal im Quartal statt.

Bedarfsermittlung in Bonn:
In Bonn gibt es 317.380 Einwohner. Davon haben 76.474 Einwohner einen Migrationshintergrund. Darunter sind 40.861 Ausländer/Zuwanderer aus 176 Ländern der Erde. In dieser Bevölkerungsgruppe gibt es die meisten Einwohner, im Gegensatz zur deutschstämmigen Bevölkerung,  im Alter von 30 Jahren und vor allem im Alter zwischen 0-5 Jahren. Das bedeutet, dass ein sehr hoher Kinderanteil bei Menschen mit Migrationshintergrund liegt.

In der Bonner Altstadt, in der das Projekt stattfindet, ist der Anteil der türkisch-sprachigen Migranten am höchsten.  33.600 Personen erhalten Transferleistungen. Die Kinder im Alter von 0-5 Jahren sind dabei die größte betroffene Gruppe der Zahlungsempfänger.

Migranten fallen noch zusätzlich dadurch auf, dass sie drei und mehr Kinder pro Haushalt haben. 32,3% aller Hartz IV – Empfänger in Bonn sind Ausländer. Die größten Gruppen stammen aus der Türkei, dem Irak und Marokko.

 

Kursleitung
Saime Deniz Kizilay, 38 Jahre alt, ist in der Türkei geboren und aufgewachsen. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter.

Nach ihrem Deutschstudium auf Lehramt in der Stadt Konya/Türkei, hat sie in Deutschland den Studiengang Asienwissenschaften abgeschlossen.

Schon während  des Studiums engagierte sie sich ehrenamtlich in vielen Vereinen. Ihr Schwerpunkt war die Arbeit mit türkischen Kindern u.a. islamischer Unterricht und Gestaltung von Freizeitaktivitäten.

Nach dem Studium arbeitete sie in einem Sprachkurs als Deutschlehrerin.

Ab Januar 2013 wird sie als Kursleitung das Projekt „Mutter-Kind-Kurs für türkische Frauen“ in den Räumlichkeiten der DITIB-Moschee Bonn für FIBEr e.V.  durchführen. Das Projekt wird gefördert von der Stiftung Jugendhilfe der Sparkasse in Bonn.

Projektkoordination
Hülya Dogan, Vorsitzende FIBEr e.V.